Die Westfjorde belohnen Reisende, die Island nicht an der Ringstraße messen. Hier folgt die Straße langen Fjorden, überquert Schotterpässe und verbindet Fischerdörfer, Vogelklippen, Wasserfälle und heiße Quellen, für die man Zeit statt einer Checkliste braucht. Diese sechstägige Sommerrundreise beginnt und endet in Reykjavík, nutzt die Baldur-Fähre in eine Richtung und hält die anspruchsvollsten Fahrtage bewusst kurz.
Die Reise auf einen Blick
- Route: Reykjavík → Stykkishólmur → Brjánslækur → Látrabjarg → Patreksfjörður → Dynjandi → Ísafjörður → Hólmavík → Reykjavík
- Empfohlene Dauer: 6 Tage; ein siebter Tag bietet mehr Flexibilität bei schlechtem Wetter
- Beste Reisezeit: Ende Juni bis Anfang September
- Entfernung: ungefähr 1.150 km, je nach Abstechern
- Fahrniveau: Mittel bis anspruchsvoll; schmale Schotterstraßen, unübersichtliche Kuppen, steile Abhänge, Schafe, Wind und wechselnde Straßenbeläge
- Budget: ISK 210.000–360.000 pro Person bei zwei Personen in einem kompakten SUV und Zimmern der mittleren Kategorie, ohne Flüge
- Am besten geeignet für: Erfahrene unabhängige Fahrer, Fotografen, Wanderer, Vogelbeobachter und Reisende, die ihre Pläne flexibel ändern können
Warum diese Route funktioniert
Die Fähre von Stykkishólmur nach Brjánslækur macht die lange Anfahrt in den Westen zu einem Teil des Erlebnisses und verhindert, dass man dieselbe Straße zweimal fährt. Außerdem liegen Látrabjarg, Rauðisandur, Dynjandi und Ísafjörður in einer natürlichen Reihenfolge. Die Rückfahrt über Hólmavík ergibt eine Rundreise statt eines Wettlaufs zurück nach Reykjavík.
Verbindet diese Reise nicht mit einer kompletten Ringstraßen-Rundreise, wenn ihr nicht mindestens zwei Wochen Zeit habt. Die Entfernungen in den Westfjorden wirken überschaubar, doch 180 km können durch Schotterstraßen, Fotostopps, Straßenarbeiten und einspurige Brücken einen ganzen Tag beanspruchen.

Tag 1: Von Reykjavík nach Stykkishólmur
Holt das Auto nach dem Frühstück ab und verlasst die Hauptstadt über Borgarnes. Rechnet für die Strecke inklusive Pausen und Einkaufsstopps mit vier bis fünf Stunden. Stykkishólmur ist mehr als nur ein Fährterminal: Spaziert am Hafen entlang, steigt auf Súgandisey hinauf, um die Aussicht zu genießen, und bestätigt die Hinweise zur Fahrzeugabfertigung am nächsten Morgen.
Bucht die Baldur-Fähre im Voraus, insbesondere mit einem Auto im Juli oder August. Die Fahrpläne sind saisonabhängig, und das Wetter kann den Betrieb verändern. Haltet die Unterkunft auf beiden Seiten stornierbar, bis die Fährüberfahrt bestätigt ist.
Übernachtung: Stykkishólmur Fahrt: Etwa 170 km / 2,5 Stunden ohne Stopps

Tag 2: Mit der Fähre nach Brjánslækur, Rauðisandur und Patreksfjörður
Nehmt die Fähre über den Breiðafjörður. Flatey ist verlockend, doch wer mit einem Fahrzeug einen Zwischenstopp einlegen möchte, muss wissen, wie das Auto anschließend separat weiterbefördert wird. Prüft vor der Buchung das aktuelle Verfahren des Betreibers.
Von Brjánslækur aus solltet ihr nur dann nach Rauðisandur fahren, wenn Bedingungen, Sicht und euer Fahrgefühl gut sind. Die Zufahrtsstraße ist steil und unbefestigt. Fahrt langsam in einem niedrigen Gang bergab, lasst bergauf fahrendem Verkehr Platz und kehrt um, wenn Nebel oder Wind euren Sicherheitsspielraum verringern. Der rotgoldene Strand von Rauðisandur verändert sich je nach Gezeiten und Licht vollständig.
Fahrt weiter nach Patreksfjörður, um zu tanken, zu Abend zu essen und früh schlafen zu gehen.
Übernachtung: Patreksfjörður Fahrt: 90–140 km, je nachdem, ob ihr nach Rauðisandur fahrt

Tag 3: Látrabjarg und die südlichen Fjorde
Fahrt nach Látrabjarg, Islands westlichem Rand und einer bedeutenden Seevogelklippe. Die letzte Anfahrt besteht aus Schotter und verdient mehr Zeit, als Navigations-Apps vermuten lassen. Haltet euch von der Klippenkante fern: Der grasbewachsene Rand kann unterspült und instabil sein. Jagt Vögel niemals für ein Foto und haltet Hunde von den Nistplätzen fern.
Papageitaucher sind saisonabhängig; ihr Auftreten ist nicht garantiert, und Besucher im Spätsommer sehen möglicherweise weniger Vögel. Nehmt ein Fernglas mit und lasst die Tiere die Distanz bestimmen.
Fahrt zurück in Richtung Patreksfjörður und macht, wenn Energie und Bedingungen es erlauben, an einer sicheren und legalen Ausweichstelle Halt beim Schiffswrack Garðar BA 64. Klettert nicht auf das Schiff.
Übernachtung: Patreksfjörður Fahrt: Etwa 120 km / 3–4 Stunden zuzüglich Stopps

Tag 4: Von Patreksfjörður über Dynjandi nach Ísafjörður
Dies ist der Höhepunkt der Reise. Folgt der Straße 60 um den Arnarfjörður in Richtung Dynjandi, einem breiten Wasserfall, der sich scheinbar den Berghang hinunter entfaltet. Nutzt den ausgeschilderten Parkplatz und folgt dem angelegten Weg; kleinere Wasserfälle machen den Aufstieg ebenso unvergesslich wie den Hauptfall.
Straßenarbeiten und loser Schotter sind auf diesem Abschnitt häufig. Am 19. Juli 2026 warnte der offizielle isländische Verkehrsdienst, dass die Baustelle am Dynjandisheiði für ein Fahrzeug mit Zweiradantrieb schwierig sein könne und Steine auf die Straße rollen könnten. Dies ist eine aktuelle Situation und keine dauerhafte Regel: Prüft am Morgen der Fahrt umferdin.is/en und beachtet die Einschränkungen vor Ort.
Fahrt weiter durch Þingeyri und durch den Tunnel Dýrafjarðargöng nach Ísafjörður. Verzichtet darauf, die abgelegene Straße 622 um Svalvogar hinzuzufügen: Sie ist eine raue, von Gezeiten und Bedingungen abhängige Piste, und am 19. Juli 2026 war ihre Arnarfjörður-Seite wegen Straßenschäden offiziell gesperrt.
Übernachtung: Ísafjörður Fahrt: Etwa 180 km / 4 Stunden ohne Stopps und Verzögerungen

Tag 5: Ísafjörður und die nördlichen Dörfer
Lasst das Auto für einen ruhigen Vormittag in Ísafjörður stehen und wählt anschließend einen gezielten Ausflug. Die Lawinenschutzverbauungen oberhalb des Ortes bieten einen kurzen Spaziergang und einen guten Eindruck davon, wie die Siedlung zwischen Berg und Fjord liegt. Alternativ könnt ihr Bolungarvík und das maritime Museum Ósvör besuchen; prüft vorher die Öffnungszeiten.
Hornstrandir ist kein spontaner Halbtagesausflug. Für das Naturschutzgebiet braucht ihr ein Boot, Planung, Wetterbewusstsein und Selbstversorgung. Hebt es euch für einen eigenen geführten Tag oder eine separate mehrtägige Wanderreise auf.
Esst nach Möglichkeit lokal: Fischsuppe, Saibling, Kabeljau und Backwaren passen besser zur Landschaft als jeden Abend ein hastiges Supermarktessen. Reserviert im Hochsommer Restaurants, da die kleinen Orte nur begrenzte Kapazitäten haben.
Übernachtung: Ísafjörður Fahrt: 0–40 km

Tag 6: Von Ísafjörður nach Hólmavík und Reykjavík
Fahrt früh los zur langen Rückreise durch den Ísafjarðardjúp. Die Küste führt immer wieder in Fjorde hinein und aus ihnen heraus, weshalb die Fahrt länger und anstrengender ist, als die Luftlinie vermuten lässt. Macht in Hólmavík Mittagspause und wechselt, wenn möglich, den Fahrer.
Fahrt über die Straße 1 weiter nach Süden bis Reykjavík. Wenn euer internationaler Flug am nächsten Morgen startet, übernachtet in Reykjavík oder in der Nähe von Keflavík, statt diese Strecke zu fahren und noch am selben Tag abzufliegen.
Fahrt: Etwa 455 km / 6,5–7,5 Stunden ohne Stopps

Ein realistisches Budget für sechs Tage
Die Sommerpreise schwanken je nach Buchungsdatum und Fahrzeugklasse stark. Verwendet diese Spannen als Richtwerte für eure Planung:
- Kompakter SUV oder leistungsfähiger Crossover: ISK 18.000–35.000 pro Tag
- Kraftstoff: ISK 38.000–55.000 für die Rundreise
- Fähre mit zwei Erwachsenen und einem Fahrzeug: ISK 25.000–40.000 einplanen; aktuellen Fahrpreis prüfen
- Doppelzimmer der mittleren Kategorie: ISK 25.000–45.000 pro Nacht
- Essen: ISK 8.000–15.000 pro Person und Tag
- Museen, Schwimmbäder und Aktivitäten: ISK 15.000–35.000 pro Person
Für zwei Personen, die sich ein Fahrzeug teilen, sind ISK 210.000–360.000 pro Person eine realistische Spanne für die Kosten vor Ort. Ein kleiner SUV ist keine Erlaubnis, gesperrte Straßen zu befahren, und ein Allradantrieb beseitigt weder die Risiken durch Wind und Schotter noch die Ermüdungsgefahr.
Hinweise zu Fahrzeug und Straßen
1. Prüft den Mietvertrag, bevor ihr euch für Straßen entscheidet. Einige Unternehmen beschränken die Nutzung von Schotterstraßen oder schließen Reifen-, Windschutzscheiben-, Unterboden- und Türschäden aus. 2. Kontrolliert bei der Abholung Reifen, Hinweise zur Ersatzbereifung und Warnmeldungen im Armaturenbrett. Fotografiert jedes Karosserieteil und jedes Rad. 3. Fahrt immer mit eingeschaltetem Licht und bleibt auf legalen Straßen. Offroad-Fahren beschädigt empfindliche Böden und ist illegal. 4. Bremst vor dem Übergang auf Schotter ab. Haltet großzügigen Abstand, um Steinschläge zu vermeiden, und haltet für Fotos niemals auf der Fahrbahn an. 5. Haltet Türen bei starkem Wind fest. Isländische Böen können Scharniere innerhalb von Sekunden beschädigen. 6. Tank vor abgelegenen Strecken. Patreksfjörður, Ísafjörður und Hólmavík sind wichtige Planungspunkte und keine Einladung, den Tank fast leer zu fahren. 7. Ladet Offline-Karten herunter, vertraut aber eher den Verkehrsschildern und Sperrungen als der App. 8. Prüft jeden Morgen drei Quellen: den Straßenzustand auf umferdin.is, Warnungen auf safetravel.is und die Vorhersage des isländischen Wetterdienstes auf en.vedur.is.
Bräuche, Natur und vermeidbare Fehler
Respektiert Privatgrundstücke, Weidetore, Nistgebiete und markierte Ausweichstellen. Baut keine Steinhaufen, versetzt keine Steine und betretet kein Moos. Duscht in geothermalen Badebecken vor dem Betreten ohne Badekleidung, sofern die örtlichen Hinweise nichts anderes vorgeben.
Übernachtet niemals außerhalb eines zugelassenen Campingplatzes oder eines ausdrücklich erlaubten privaten Stellplatzes im Auto. Nehmt euren Müll mit, nutzt öffentliche Toiletten und unterstützt die Geschäfte in den Dörfern, statt die Orte lediglich als Tankstopps zu behandeln.
Der größte Planungsfehler besteht darin, jeden Fjord für einen kurzen Aussichtspunkt zu halten. Wählt weniger Stopps, fahrt ausgeruht und plant einen Puffertag für das Wetter ein. Wenn sich eine Straße für euch zu anspruchsvoll anfühlt, ist Umkehren die richtige Reiseentscheidung.
Visa und praktische Hinweise
Island gehört zum Schengen-Raum. Die Einreise- und Führerscheinanforderungen hängen von Staatsangehörigkeit und Wohnsitz ab; prüft sie über die isländische Einwanderungsbehörde und eure Mietwagenfirma. Führt euren physischen Führerschein mit und klärt, ob ein Internationaler Führerschein erforderlich ist.
Notrufnummer: 112. Reicht für abgelegene Ausflüge einen Reiseplan über SafeTravel ein. Die Mobilfunkabdeckung ist nicht durchgehend, teilt daher jemandem mit, wohin ihr unterwegs seid und wann ihr voraussichtlich ankommt.
Quellen zur Überprüfung
- Live-Verkehrsdienst der isländischen Straßen- und Küstenverwaltung: https://umferdin.is/en
- Warnungen und Reisepläne von SafeTravel Iceland: https://safetravel.is/
- Vorhersagen und Warnungen des isländischen Wetterdienstes: https://en.vedur.is/
- Regionale Reiseinformationen von Visit Westfjords: https://www.westfjords.is/
- Fahrpläne und Buchung der Seatours-/Baldur-Fähre: https://www.seatours.is/
- Diskussionen unabhängiger Reisender wurden auf wiederkehrende Hinweise zu Reisetempo, Schotterstraßen, Kraftstoff und Wetter geprüft; kommerzielle Behauptungen wurden ausgeschlossen.
